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Nachhaltiges Palmöl im Fokus: Verantwortung, Regulierung und Perspektiven für die Kosmetikindustrie

Etwas südwestlich von London, in der Großen Halle von Winchester Castle, hängt in rund acht Metern Höhe ein monumentaler Rundtisch mit fünf Metern Durchmesser. Der Legende nach diente er König Artus und den Rittern der Tafelrunde als Versammlungsort. Seine runde Form symbolisiert Gleichberechtigung, Verantwortung und Dialog auf Augenhöhe – Werte, die bis heute als Leitbild für kooperative Entscheidungsprozesse gelten.

Diesen Anspruch greift auch der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) auf. Ziel der internationalen Multi-Stakeholder-Initiative ist es, Palmöl entlang der gesamten Wertschöpfungskette fair, transparent und nachhaltig zu gestalten. Die Mitglieder treffen sich jährlich in regional gegliederten Gruppen an wechselnden Standorten. Am 22. Januar 2026 fand das EMEA-Treffen in der Hamburger Innenstadt statt – in unmittelbarer Nähe unseres Unternehmens. Auf der Agenda standen aktuelle Branchenentwicklungen, gesellschaftliche Trends sowie regulatorische Veränderungen im europäischen Verbraucherschutz.

Marktstruktur und Nachhaltigkeitsstatus

Die wichtigsten Zahlen in Kürze – Indonesien, Malysia und Thailand teilen den Palmöl-Markt mit zusammen knapp 85 % der produzierten Menge unter sich auf. Im Jahr 2024 wurden angenähert 60 % des weltweit produzierten Palmöls nicht nachhaltig produziert, umgekehrt meint das in Masse ca. 17 Mto zertifiziertes Palmöl, CSPO. Während die Masse des produzierten CSPO nach Jahren des Wachstums seit zwei Jahren stagniert, ist die Welt bezüglich der Bemühungen um Nachhaltigkeit streng geteilt. Während in Europa und Nordamerika fast 90 % der Anteil des Palmöls RSPO-zertifiziert ist, stagniert der Anteil für den Rest der Welt bei durchschnittlich 13 %. Von den weltweit rund 6.160 RSPO-Mitgliedern stammt etwa die Hälfte aus Europa. Deutschland stellt mit 481 Mitgliedern nach den USA die zweitgrößte Zahl an Lizenznehmern.

Agronomische Effizienz der Ölpalme
Ungeachtet der kontroversen Debatte ist die Ertragsbilanz der Ölpalme eindeutig: Pro Hektar Anbaufläche ist sie die mit Abstand produktivste Ölsaat. Ihr Flächenertrag übertrifft Raps, Sonnenblume oder Soja um ein Vielfaches – teils um den Faktor acht. Diese Effizienz macht deutlich, dass Nachhaltigkeitsstrategien nicht allein auf Substitution, sondern auf verantwortungsvolle Produktion und transparente Lieferketten ausgerichtet sein müssen.

Regulatorische Entwicklungen und Marktanforderungen
Zentraler Diskussionspunkt war die EU-Entwaldungsverordnung 2023/1115 (EUDR). Sie verpflichtet Unternehmen künftig dazu, für Rohstoffe wie Soja, Palmöl, Kaffee, Kakao, Kautschuk, Holz und Rinder sowie daraus hergestellte Produkte eine entwaldungsfreie Lieferkette nachzuweisen. Konkret müssen Unternehmen belegen, dass die genutzten Flächen nach 2020 nicht entwaldet wurden.

Vertreter internationaler Konzerne wie BASF, Ferrero und Henkel diskutierten offen mögliche Überschneidungen zwischen EUDR-Anforderungen und bestehenden RSPO-Standards ab 2027. Insbesondere wird eine Ausweitung der Kapazitäten im Segment „Segregated“ gefordert – also physisch getrenntes, bis zur Plantage oder Ölmühle rückverfolgbares Palmöl.

Die Verbraucher in der EU wünschen sich indes, je nach Land bis zu 83 %, mehr ökologisch wertvolle Produkte. Gleichzeitig schwindet deren Vertrauen in die Label und Siegel auf den Produkten. Dies zurecht, denn 40 % der Werbeaussagen und 53 % der Aussagen zu Nachhaltigkeitskriterien sind unlauter, umgangssprachlich Greenwashing. Dem Einhalt gebieten soll die Green Claims Directive (EU) 2024/825, die „Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel durch besseren Schutz gegen unlautere Praktiken und durch bessere Informationen“, die ab dem 27 September 2026 in Kraft treten soll. Die Fragen danach, welche nationalen oder EU-Behörden die Einhaltung besagter Vorgaben prüfen sollen, bzw. wie Verstöße dagegen geahndet werden sollen, blieben offen.

Die sorgfältig kuratierte Auswahl der Vorträge, das branchenübergreifend offene Dialogklima sowie die professionelle Moderation haben uns in unserem klaren Bekenntnis zu fairen und nachhaltig ausgerichteten Lösungen weiter bestärkt.

Der fachliche Austausch war geprägt von Transparenz, Innovationsgeist und dem gemeinsamen Anspruch, zukunftsfähige Konzepte für die Kosmetikformulierung voranzutreiben. Ort und Termin des nächsten Treffens stehen derzeit noch nicht fest.

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